Demokratie braucht Geld. Viel Geld. Und neue Wege, es zu verteilen.

27.11.2025 von Silvan Groher

Drei Tage Mitmacht Festival in Wien, hunderte Demokratie-Macher:innen aus dem DACH-Raum und eine zentrale Frage: Wie verteilen wir Macht und Geld gerechter? Ting durfte seinen Ansatz vorstellen und kam mit neuer Energie zurück.

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Silvan und Ralph beim Präsentieren
Ting Co-Founder Silvan Groher und Ralph Moser im Workshop Fieber am Demokratiefestival 2025

Warum wir in Wien waren

Das Mitmacht Demokratiefestival ist mehr als ein Event. Es ist ein Ort, wo Menschen zusammenkommen, die Demokratie nicht nur besprechen, sondern leben wollen. Vom 19. bis 22. November 2025 trafen sich in Wien Demokratie-Akteur:innen, Forscher:innen, Politiker:innen, Aktivist:innen und Pionier:innen aus ganz Europa, um über eine Frage zu diskutieren: Wie stärken wir die Demokratie in Zeiten, wo sie unter Druck steht?

Ting wurde eingeladen, weil wir etwas zeigen können, was viele fordern, aber wenige umsetzen: «Democratising Capital». Bei uns entscheiden nicht ein paar Stiftungsräte oder Investoren, wohin das Geld fliesst. Bei uns entscheiden die Mitglieder selbst und zwar auf zwei Ebenen:

  1. System-Ebene: Alle können mitbestimmen, wie die Regeln bei Ting erweitert und/oder angepasst werden.
  2. Verteilungs-Ebene: Jede:r kann freiwillig mitbestimmen, welche Vorhaben mit Ting-Geld unterstützt werden.

Das ist nicht nur Theorie. Seit fünf Jahren funktioniert es. Deshalb wurden wir nach Wien eingeladen, um unsere sogenannte «Impact Case Study» für demokratische Umverteilung zu präsentieren.

Das Festival: Ein Überblick

Das Programm war dicht gepackt. Von KI und Demokratie über Commons und Kooperation bis hin zu partizipativen Budgets. Die Themen waren so vielfältig wie die Teilnehmenden. Keynote-Speakerin Kübra Gümüşay sprach über "Real Utopien". Das sind Vorhaben, die jetzt schon eine bessere Zukunft bauen, auch wenn sie noch nicht in der Gegenwart angekommen sind. Als wir das hörten, mussten wir an Ting denken: Real in der Umverteilung, utopisch im Umgang mit Vertrauen und Geld.

Keynote Speakerin Kübra Gümüşay über die Macht der Sprache. ©suna films

Weitere Highlights:

  • Bürgerräte und Losparlamente wurden heiss diskutiert und sind gerade in allen Ländern im Trend als Instrumente für mehr demokratische Beteiligung.
  • Jonas Scheiner fasste die drei Tage poetisch zusammen und sagte: «Es braucht Geld-Umverteilungsprojekte und das kriegen die Schweizer grad richtig gut hin.»
  • Philosophische Abendgespräche beim Bier, wo die grossen Fragen weitergingen.

Was wir im Workshop gemacht haben

Unser Workshop hiess «Ting – Ein Fonds für Demokratie» und er war kompakt: 75 Minuten, um zu zeigen, wie Ting funktioniert und was daran demokratisch ist.

Was wir gezeigt haben:

  • Wie die demokratische Entscheidungsfindung bei Ting läuft, inklusive dem Eingabestau-Problem, das wir gemeinsam mit der Community gelöst haben.
  • Konkrete Beispiele: Vom Permakultur-Vorhaben bis zur alleinerziehenden Mutter, die ihr PH-Studium machen konnte, dank Vertrauensvorschuss aus der Ting-Community.
  • Wie direkte und freiwillige Mitentscheidung funktioniert und wie das sich konkret anfühlt, denn wir haben den Bewertungsprozess mit den Teilnehmer:innen aufgestellt und simuliert.

Die Reaktionen:

Wow, das ist echt krass, was ihr da auf die Beine gestellt habt. Ihr seid zwei echt coole Typen.

Eine Teilnehmerin des Ting Workshops

Mitglied

Die Teilnehmenden waren baff. Warum funktioniert das? Warum haben wir manchmal mehr Geld im Topf, als eingezahlt wurde? Wie schafft ihr es, dass das Vertrauen hält, bei fast 700 Mitgliedern?

Die Antwort: Weil Menschen, wenn man ihnen vertraut, auch vertrauenswürdig handeln. Fast jede Spieltheorie würde dagegen halten. Aber Ting zeigt: Es geht.

Die wichtigsten Learnings

Es braucht niedrigschwellige Fördermechanismen und viel mehr Geld

Wenn dann mal über Geldflüsse gesprochen wurde, hatte kaum jemand eine konkrete Antwort, geschweige denn einen Plan, wie man sie gerechter gestalten könnte. Heraus kam, dass klassische Stiftungslogiken oft nicht funktionieren, aus Verteilungsgründen (Macht) und weil zu viel Konkurrenzkampf untereinander herrscht.

Ting zeigt: Es geht auch anders. Ohne komplizierte Anträge. Ohne jahrelange Wartezeiten. Ohne dass eine Elite entscheidet, was "gut & wirkungsvoll" ist.

Aber niederschwellig alleine reicht nicht. Wenn wir die Demokratie erhalten, stärken und modernisieren wollen, braucht es auch massiv mehr Geld. Geld, das gegen die aktuellen plutokratischen Tendenzen hält. Geld, das demokratisch verteilt wird.

Der Wunsch nach demokratischer Beteiligung ist gross

Die Leute wollten nicht nur zuhören. Sie wollten sich vernetzen, Ideen austauschen und gemeinsam etwas bewegen. Es war Aufbruchstimmung im Raum, aber auch viel Angst. Vor allem bei den österreichischen und deutschen Kolleg:innen. Der Faschismus ist dort konkreter spürbar und das Realitätsbild dystopischer als in der Schweiz.

Geldströme managen und zugunsten der Allgemeinheit einsetzen

Wenn alte Systeme nicht mehr funktionieren (oder den Planeten zerstören), brauchen wir neue. Und die entstehen nicht durch Reden. Sie entstehen durch das Machen, Testen, Vernetzen und durch kollektives Handeln.

Ting macht genau das: Geldströme transparent machen, demokratisch steuern und so einsetzen, dass sie allen nützen – nicht nur wenigen.

Warum solche Räume wichtig sind

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist gelebte Praxis. Und sie braucht Orte, wo Menschen sich treffen, Hoffnung schöpfen und gemeinsam Neues bauen können und bestehendes Weiterentwickeln.

Das Mitmacht Demokratiefestival ist so ein Ort. Hier wird nicht nur geredet. Hier wird gemacht. Und genau das braucht es, um kritische Infrastrukturen zu stärken – nicht nur technische, sondern auch soziale. Und trotz all dem ist solch ein «Festival» auch immer ein Stück ernüchternd, denn was bleibt wirklich übrig und welche Routinen und Handlungen schaffen wir tatsächlich zu ändern? 

Was wir mitnehmen

  • Energie: Weitermachen. An der Umverteilung dranbleiben. Demokratie mitdenken.
  • Kontakte: Vor allem zum Resource Transformation Netzwerk rund um Marlene Engelhorn und Projektleiterin Alexandra Wang.
  • Inspiration: Mehr in solchen Kreisen aktiv sein. Ting zeigen. Die Message verbreiten.

Mach mit - Mitmacht

Demokratie braucht Macher:innen. Wenn du glaubst, dass Geld gerechter verteilt werden soll und Menschen mitentscheiden sollen, wie das passiert, dann bist du bei Ting genau richtig.

📸 © suna films

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